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Foto: Helmut Tacke

Regularium

Friedliche Koexistenz

Foto: Jürgen BrathDie Zahl der Springer, die nicht mehr nur senkrecht, sondern zunehmend in diagonaler Weise mit Wingsuits oder im Winkelfreifall (Atmonauti) den Himmel durchkreuzen, wächst stetig. Im Auftrag der Bundeskommission Fallschirmsport (BKF) wurden nun durch die AG Wingsuit die zukünftigen Regelungen für das Track- und Wingsuitfliegen präsentiert.
 
Von Jürgen „Mahle“ Mühling – aus dem Freifall Xpress 5/2013


Start-Up

Seit Anfang der Saison haben sich nun die Fachleute im regen Austausch befunden, um mit dem heutigen Tage ein möglichst artgerechtes Sicherheitssystem vorzustellen bzw. einzuführen. In der Zielsetzung wurde dabei versucht, alle Belange und Interessen unter einen Hut zu bekommen.

Die Gesamtaufgabe wird nun sein, die genannten Verfahrensweisen mehr und mehr zu etablieren, damit wir letztendlich alle zusammen ein plausibles Miteinander generieren. Im Einzelnen heißt das bspw. auch, dass die Kommunikation zwischen Springer(n), Manifest und Pilot auf ein neues Level gehoben werden muss. Bei den Leistungseigenschaften der neuzeitlichen Suits ist eine Absprache der jeweiligen Flugrouten auch wichtiger denn je, speziell dann, wenn es im Flugprofil Überschneidungen mit den anderen Luftraumnutzern geben kann. Man denke z.B. an die Atmonautis im 90°-Winkel quer ab zum Anflug in Relation zu den Trackern bzw. Wingsuitern auf parallel versetztem Rückweg zur DZ. Dabei ist es vorab bereits sehr hilfreich, wenn sich jeder Springer schon beim Eintragen am Manifest mit seinem Freifallvorhaben zu erkennen gibt. Nur so lässt sich ein eventuelles Absprachepotenzial ja überhaupt erst erfassen.

Gerade deshalb setzt das Qualitätsmanagement der AG Wingsuit hier auch direkt beim Wissen um das „Big Picture“ an und baut auf Know-How-Transfer und Fortbildung. Zu diesem Zweck wurden nun speziell 4 Handouts über- bzw. erarbeitet, um mit den
neuzeitlichen Entwicklungen Schritt zu halten. Im Einzelnen handelt es sich um:

Alle Einzeldokumente sind auch auf den Webseiten der Beauftragten als Download zu finden.

Sollte es in diesem Zusammenhang eventuell zu einem erneuten Aufflammen der allseits beliebten Sprungreihenfolgediskussion kommen, so ist die Lehrmeinung bei einem Anflugkonzept gegen den Wind nach wie vor diese: Zuerst...

  • langsame Fallraten (von Formation nach Einzelspringer) dann
  • schnelle Fallraten (von Formation nach Einzelspringer) dann
  • Winkelflieger (abwechselnd rechts / links) dann
  • Hochzieher ab 1200m/GND und höher (auch hier wieder langsam vor schnell und von Formation zu Einzelspringer) dann
  • AFF dann
  • Tandems dann
  • Tracksuits (abwechselnd rechts/links) dann
  • Wingsuits (abwechselnd rechts/links) dann
  • Pilot.

 

Internes

Natürlich kann keines der angeführten Schemen jedwede Ausnahme erfassen. Insofern müssen die einzelnen Sprungbetriebsleiter hier auch anpassend und wegweisend tätig werden. So steckt zum Beispiel hinter der Bezeichnung „Rote Zone“ im Exit-Order-Schema die Idee, dass die „normale Fallzone“ geschützt wird. Diese Zone ist in gedachter Weise mit ca. 1 km Breite zu bemessen und liegt als „Luftraum“ mittig über dem Anflug. Sie beginnt dort, wo der erste Standardspringer die Maschine verlässt und endet an der Stelle, an welcher der letzte „Senkrechte“ abspringt. Danach richten sich dann alle Tracker und Wingsuiter.

Im Umkehrschluss heißt das für alle Klassischen, dass sie während ihres Freifalls und ihrer Schirmfahrt definitiv in der „Roten Zone“ bzw. an der Windachse bleiben müssen. Insofern ist das Berücksichtigen der „Roten Zone“, sobald Track- oder Wingsuits ins Spiel kommen, sowohl eine räumlich dynamische als auch zukünftig elementare Sache!

Die Atmonautis gelten innerhalb dieser Definitionen als Freeflyer und springen somit in der normalen Exitorder ab. Je nach Winkel kann hier dennoch quer ab zum Anflug auch wieder ein Verlassen der „Roten Zone“ geschehen.

Deshalb müssen sich Atmonautis auch ganz speziell mit Track- und Wingsuitern über ihre Richtungspläne unterhalten. Dabei hängt die allgemeine Sicherheit wieder direkt mit der korrekten Ausführung dieser Pläne und somit mit den Navigations- und Flugfertigkeiten der einzelnen Teilnehmer zusammen. Versuch und Irrtum sind hier inakzeptabel! In diesem Sinne müssen übergeordnet dann auch die meteorologischen Voraussetzungen stimmen, um ein „Big Picture“ überhaupt erst zu erlauben bzw. eine Orientierung sowie Navigation zu garantieren. Sollten sich dabei Zweifel oder gar Navigationsmängel bei einzelnen Protagonisten ergeben, so sind die Sprungbetriebsleiter zukünftig gefordert, für die entsprechende Sanktionierung zu sorgen.

Hinsichtlich eines eventuellen Außenlandepotenzials müssen sich die entsprechenden Springer dabei an die Bedingungen des jeweiligen Ortes anpassen. Prinzipiell soll ja immer so geflogen und gepullt werden, dass die vorgesehene Landezone erreicht wird.

Erfahrungsgemäß ist dennoch das Mitführen eines Mobiltelefons aus Sicherheitsgründen bei den Räumlichen eine sehr sinnvolle Sache. Manchmal reicht schon eine kurze Rückinfo ans Manifest, dass man OK ist und sich nur etwas verflogen hat. Dazu dürfen sich dann die Spaßtruppen vorab schon mal gerne auch selbst organisieren und sich einen eigenen Beobachtungs- bzw. im Fall der Fälle Abholservice einrichten.

Foto: Sebastian Nossing

BKF Wingsuit Manual

Des Weiteren wurde im Wingsuitbereich außerdem ein Sicherheitsmanual für die zukünftigen Einweiser bzw. Instruktoren entwickelt. Als Vorlage diente dabei die bereits renommierte Version der Parachute Association of South Africa. Dieses Manual wird allen Flügelprofis ebenfalls über die Webseiten der einzelnen Verbände zur Verfügung stehen. Außer den fachlichen Anforderungen widmet sich das Sicherheitsmanual auch der Personalregelung, wie sie in diesem Sektor in Zukunft gelten wird. Auszugsweise heißt es dort:

Teil 2: Lehrpersonal - Wingsuit Einweiser bzw. Instruktor / Wingsuit Examiner

1. Allgemeines

Die Befähigung zum Wingsuitfliegen darf (BKF Stichtag 01.01.2014) nur noch über einen qualifizierten Wingsuit Einweiser bzw. Instruktor erteilt werden. Die jeweiligen Sprungbetriebsleitungen und Ausbildungsleiter sind aufgefordert, diese Qualitätssicherung mitzutragen und zu gewährleisten!

2. Qualifikationsnachweis

Jeder erfahrene Wingsuitspringer  (als grundsätzlich erfahren gilt, wer mindestens 200 Wingsuitsprünge gesamt auf  mindestens 3 verschiedenen Wingsuitmodellen nachweisen kann) kann sich zum Wingsuit Einweiser qualifizieren. Dazu muss er...

a) bei einer Erstflugeinweisung eines Wingsuit Examiners als Assistent agieren (sogenanntes Multiplikatorenseminar).

b) bestimmte Fertigkeiten und Fähigkeiten gemäß den Lerninhalten des Wingsuit Multiplikatorenseminars nachweisen.

c) ein auf ihn abgestimmtes Ersteinweisungsscript als Qualifikationsbasis beim Beauftragten (DFV oder SFG) zur Inhaltsprüfung einreichen.

Sind die Punkte a)-c) erfüllt, stellt der Beauftragte bei positiver Bewertung eine personenbezogene Anerkennung zum Wingsuit Einweiser aus.

Bereits bestehende Herstellerratings oder ausländische Equivalente können unter Beachtung dieses Sicherheitsmanuals direkt anerkannt werden, sofern ein Antragsteller das Rating in den letzten 24 Monaten erworben oder in den letzten 24 Monaten mindestens 10 Erstflugeinweisungen durchgeführt hat..

3. Multiplikatorenseminar

Das Ziel eines Multiplikatorenseminars ist es, erfahrene Wingsuiter zu Wingsuit Einweisern auszubilden. Dabei sollen die abgestimmten Einweisungsinhalte dieses BKF Sicherheitsmanuals vermittelt werden, um einen einheitlichen Qualitätsstandard zu erreichen. Ein Multiplikatorenseminar sollte möglichst im Rahmen einer Wingsuit Ersteinweisung stattfinden, wobei der Einweiser Anwärter assistiert und auch Teile der Einweisung, sowohl theoretisch als auch praktisch/fliegerisch übernimmt. Die Ausbildung zum Einweiser sollte mindestens 2 Wingsuit Begleitflüge mit unterschiedlichen Aufgaben und ausführlichem Briefing und Debriefing beinhalten.

Im Rahmen des Seminars soll der Anwärter nach den Maßgaben dieses Manuals zudem seine persönliche Eignung als Wingsuit Einweiser unter Beweis stellen sowie ein auf ihn abgestimmtes Einweisungsskript entwickeln.

4. Wingsuit Examiner

Der Beauftragte führt eine Liste aller ernannten Wingsuit Examiner. Sie sind autorisiert, WS Einweiser in sogenannten Wingsuit Multiplikatorenseminaren zu qualifizieren.

Die Liste der aktuellen Wingsuit Examiner kann jederzeit beim Beauftragten abgerufen
werden.

Eine Ernennung zum Wingsuit Examiner kann für jeden qualifizierten Wingsuit Einweiser/Instruktor erfolgen. Derjenige Wingsuit Examiner Anwärter muss sich explizit beim Beauftragten bewerben und dabei folgende Nachweise erbringen:

a) selbst aktiver Wingsuit Springer und Einweiser/Instruktor sein

b) mindestens 10 Wingsuit Ersteinweisungen durchgeführt haben

Eine Ernennung zum Wingsuit Examiner erfolgt auf 2 Jahre. Eine Weiterführung der Ernennung muss formlos mit einer Arbeitsbeschreibung beantragt werden.

Der Beauftragte behält sich vor, die gemachten Angaben zu kontrollieren.

Eine Ernennung kann unter Angabe von Gründen jederzeit entzogen werden.

 

Formelles

Foto: Lutz LüdtkeUm das Ganze nun in Gang zu bringen, sollen sich alle aktiven deutschen Wingsuit-Instruktoren von Birdman, Phoenix Fly, Tonysuits, etc. bitte über info@dfv.aero oder fallschirm@daec.de melden.

Ebenso besteht die Einstiegsmöglichkeit in die neue Regelung für alle weiteren Wingsuiter, die bisher auch ohne ein Herstellerrating Wingsuiteinweisungen gemacht haben. Diejenigen sollen innerhalb der nächsten 3 Monate ebenso ihre Anerkennung direkt erhalten können, wenn sie Punkt 2 c) aus dem oben genannten Sicherheitsmanual erfüllen.

Nach Abschluss der Erfassung werden alle anerkannten Wingsuit Einweiser bzw. ernannten Wingsuit Examiner auf einer gemeinsamen Liste der Bundeskommission Fallschirmsport auf den Webseiten von DFV und SFG veröffentlicht. Diese Listen werden dann regelmäßig überprüft und aktualisiert.


Liste der anerkannten Wingsuit EINWEISER und ernannten Wingsuit EXAMINER

 
 

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